Social Media & Datenschutz (Teil 3): Praxis

Social Media & Datenschutz (Teil 3): Praxis

1. März 2012 von

In diesem Teil unserer Serie „Datenschutz im Kontext von Social Media“ erläutern wir praktische Lösungen & Möglichkeiten den Datenschutz innerhalb Social Media zu befolgen. Die wichtigsten Datenschutzgesetze finden sich übrigens in unserem ersten Teil, der zweite Teil dieser Reihe berichtete über die Auslegungs-Problematik des Datenschutzes.

Welche praktischen Lösungsansätze gibt es derzeit für die Einhaltung des Datenschutzes?

Vorab: Für viele Aspekte des Datenschutzes im Kontext von Social Media gibt es in der Praxis keine konkreten Empfehlungen, welche Unternehmen die Einhaltung des Datenschutzes garantieren. Wie in Teil 1 und Teil 2 dieser Beitragsserie beschrieben, befinden sich die Antworten auf viele Datenschutzfragen in Bezug auf Social Media in einer relativ breiten Grauzone. Trotz oder gerade wegen dieser Grauzone, gilt es dem Datenschutz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die folgenden praktischen Empfehlungen beruhen auf dem derzeitigen Stand der Datenschutzgesetze sowie Erfahrungen aus der Praxis:

Datenschutzproblematik: Einbindung von Like-Buttons

Die Einbindung des Like-Buttons ist aus Datenschutz Sicht weder eindeutig verboten noch eindeutig erlaubt. Das derzeitige Datenschutzproblem des Like-Buttons ist, dass dieser auch bei Nutzern Cookies setzt, welche nicht bei Facebook registriert sind. Facebook könnte so theoretisch auch das Nutzerverhalten von Nicht-Facebook Mitgliedern tracken, ohne dass diese vorab ihre Einwilligung gegeben haben. Da ein Webseitenbetreiber, welcher ein Like-Button einbindet, derzeit keine genauen Kenntnis über die erhobenen Daten besitzen kann (Facebook liefert hier keine genauen Informationen) und diese demnach auch nicht verwenden kann, ist bestreitbar, ob der Webseitenbetreiber selbst für die Einbindung der Like-Buttons haftbar gemacht werden kann. Auf der anderen Seite gilt auch hier: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Konkret werden Verstöße in der Praxis kaum bis wenig verfolgt. Die Verwendung des Like-Buttons sollte also derzeit noch relativ bedenkenlos sein. Empfohlen wird jedoch, die aktuelle Debatte und Entwicklung des Datenschutzes weiter zu verfolgen. Um die Einbindung des Like-Buttons einigermaßen mit dem Datenschutz konform zu bringen, bietet sich folgende praktische Möglichkeit an:

 

Lösung:2-Click-Modell

Bei dieser Lösung werden Share-Buttons erst durch einen Vorab-Click nachgeladen. Zusätzlich wird der Nutzer über die Folgen informiert und willigt mit der Aktivierung den Bestimmungen ein. Vorteil: Diese Lösung ist weitesgehend mit dem Datenschutz konform. Nachteil: Nach den Richtlinien von Facebook dürfen für den Vorab-Click keine Facebook Icons verwendet werden. Zudem kann diese Lösung einige Nutzer davon abschrecken, den Like- bzw. Share-Button zu betätigen.

Datenschutzproblematik:  Retargeting von Werbeanzeigen

Werbeanzeigen auf spezifische Zielgruppen auszurichten bietet für Werbetreibende ein enormes Potential. Hierbei hat der Nutzer, beispielsweise bei der Registrierung bei einem Portal, vorab seine Einwilligung zum setzen eines Cookies gegeben. Die meisten Nutzer erlauben zudem ihrem Browser automatisch Cookies zu setzen, und willigen so allen Cookies mehr oder minder freiwillig ein. Anbieter kombinieren anschließend verschiedene Cookies (Data-Mining), erstellen Nutzerprofile und blenden, ausgehend von einem Ad-Server, dem Nutzer entsprechend zum jeweiligen Profil eine personalisierte Werbeanzeige ein. Datenschützer bemängeln, dass hier personenbezogene Daten in Form von IP Adresse, besuchte Webseiten, Suchbegriffe etc. gesammelt werden und der Nutzer hier drüber kaum informiert ist. Auch sind die Auswirkungen der jeweiligen Browser- & Cookie-Einstellungen dem Nutzer meist unbekannt.

Folgende Lösungen machen das Retargeting von Werbeanzeigen zumindest größtenteils mit dem Datenschutz konform:

 

Lösung: Alternative Browsereinstellungen

Eine Möglichkeit Retargeting mit dem Datenschutz konform zu bringen, ist eine Revolution der Browsereinstellungen selbst. Hier sollten Browser-Anbieter idealerweise die Cookie- Einstellung überabreiten: Nutzer sollten beim Click auf „Alle Cookies“ akzeptieren besser über die Folgen aufgeklärt werden. Alternativ könnte bei jedem Cookie ein kurzer Infotext eingeblendet werden. Aus Nutzersicht bedeutet dies allerdings eine verringerte Usability beim Besuch von Webseiten: Cookies & Info-Boxen könnten schnell lästig werden.

 

Lösung: Opt-out Icon in Werbeanzeigen

Social Media Datenschutz - Opt-out Icon

Eine durchaus vielversprechende Lösung ist ein einheitliches Opt-out Icon, welches Werbeanzeigen kennzeichnet und dem Nutzer die Möglichkeit bietet Informationen über das Targeting einzuholen sowie Anbieter zu blockieren. Aus Sicht der Werbetreibenden bedeutet dies natürlich potentiell weniger Views & Clicks.

 

Lösung: Prominente Platzierung von Targeting Informationen

Auch diese Lösung setzt auf Transparenz und Aufklärung: Prominent platzierte Infoboxen könnten Nutzer über Targetingpraktiken aufklären. Hier könnte insbesondere auch der Mehrwert für den Nutzer sowie die genaue Verwendung der Nutzerdaten erklärt werden. Bestenfalls sorgt diese pro-aktive Herangehensweise  für Sympathie und eine bessere Reputation.

Fazit

Auch in der Praxis gibt es derzeit keine konkrete Empfehlung, welche bei der Verwendung von Plugins, beim Retargeting oder beim Datenabgleich die Einhaltung des Datenschutzes garantiert. Generell sollten Werbetreibende auf höhere Transparenz setzen und Nutzer freiwillig mit Targeting-Informationen versorgen. Die 2-Click Lösung des Like-Buttons ist zudem ein guter erster Ansatz, als Werbetreibender selbst beim Thema Datenschutz aktiv zu werden. Auch ein einheitliches Opt-out Icon könnte dafür sorgen, dass Nutzer wieder eine bessere Kontrolle sowie Übersicht über ihre Daten bekommen. Auch in der Praxis gilt: Bevor Daten erhoben und/oder weitergegeben werden, sollte beim Nutzer eine Einwilligung eingeholt werden. Beim Datenabgleich sollten erhobene Daten, so weit möglich, anonymisiert werden. Trotz hitzigen Debatten, können Social Plugins derzeit noch relativ bedenkenlos eingebunden werden, wer auf Nummer sicher gehen will, beachtet am besten obige Lösungen. Empfohlen wird zudem, die aktuelle Debatte und Entwicklung des Datenschutzes weiter zu verfolgen und auf zukünftige Änderungen vorbereitet.

Im vierten und letzten Teil dieser Serie werfen wir einen kurzen Blick in die zukünftige Entwicklung des Datenschutzes.

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2 Kommentare zu diesem Artikel
  • Tanja am 1. März 2012 um 17:29 Uhr

    Toller Artikel! Er kritisiert nicht nur, sondern zeigt auch Lösungsvorschläge auf.
    Ich bin auch der Meinung, dass Werbetreibende langsam mal umdenken sollten. Es gibt mittlerweile viele Leute, die nichts gegen Werbung haben und sich vielleicht auch über die ein oder andere Anregung freuen. Aber durch “freiwillige” Werbung, also wenn der Nutzer explizit zustimmen muss, gewinnen die Werbetreibenden immens an Ansehen und Reputation. Im Endeffekt ist auch hier vielleicht weniger manchmal einfach mehr (für alle Beteiligten) ;-)

    VG

    Tanja

  • Friday Recap: Timeline & Ads | Pinterest Tipps | Twitter Ads | SoQuero Online Marketing am 2. März 2012 um 14:06 Uhr

    [...] unserem driten Teil der Reihe Datenschutz im Kontext von Social Media haben wir diese Woche einige praktische Möglichkeiten gesammelt und [...]



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